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Blue Competence Forum

Metallspäne bald Sondermüll?

Beitrag 09.07.2015, 14:48 Uhr
Reines
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Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat festgestellt, dass sich in Metallspänen KSS-Rückstände befinden können und diese je nach KSS-Zusammensetzung als gefährlich einzustufen wären. Damit wäre ein Transport von nicht aufbereiteten Metallspänen (nicht zentrifugiert, nicht gepresst ...) nicht mehr bzw. nur noch als Gefahrguttransport möglich.

Ist schon jemand mit diesem Problem konfrontiert? Welche Maßnahmen können ergriffen werden?
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Beitrag 09.07.2015, 15:26 Uhr
Cavalli
Cavalli
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Beiträge: 340

Wenn ich jetzt mal die Firmen in meiner Umgebung so sehe, da könnten sich keine KSS-Rückstände drin befinden, da befinden sich unübersehbar welche in den Mulden.

Die Späne kommen bei den meisten Zerspanungsmaschinen automatisiert über den Späneförderer raus und tauchen am Boden vom Förderer erstmal komplett im KSS, dann kommen sie natürlich feucht oder gar nass raus... Viele Späne entstehen ja auch gerade in der "nassen" Bearbeitung. Wie soll man die dann trocken aus der Maschine rausbekommen? Garnicht..

An jeder Maschine ne Zentrifuge ranhängen? Unrentabel..
Selbst im Betrieb zentrifugieren? Wer macht sich freiwillig so ne Arbeit?
Explizit bei Drehmaschinen, die langen Fließspäne die sich zu Knäulen bilden werden in Zentrifugen zu Problemen führen (Unwucht).


Wenn so eine Auflage kommen sollte, fände ich es (für den Metallverarbeitenden Betrieb) am einfachsten wenn es eine genormte dichtschließende Spänemulde mit Deckel gibt, die als Gefahrgutcontainer gilt. Der Schrotthändler selbst sollte zentrifugieren, so würde man die Beste Auslastung der Zentrifuge erreichen.


Aber das macht natürlich dann unsere Spanabfälle billiger, da man ja das zentrifugieren noch rechnen muss. Dadurch müsste man seine eigenenen Produkte teurer kalkulieren. Die Chinesen werden sich freuen, weil die solche Auflagen bestimmt nicht haben und dadurch haben die dann einen weiteren Wettbewerbsvorteil.........


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Idealisten wollen die Welt verbessern, nicht den Status Quo verwalten!
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Beitrag 09.07.2015, 16:17 Uhr
Reines
Reines
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Beiträge: 16

ZITAT(Cavalli @ 09.07.2015, 16:26 Uhr) *
Wenn ich jetzt mal die Firmen in meiner Umgebung so sehe, da könnten sich keine KSS-Rückstände drin befinden, da befinden sich unübersehbar welche in den Mulden.

Die Späne kommen bei den meisten Zerspanungsmaschinen automatisiert über den Späneförderer raus und tauchen am Boden vom Förderer erstmal komplett im KSS, dann kommen sie natürlich feucht oder gar nass raus... Viele Späne entstehen ja auch gerade in der "nassen" Bearbeitung. Wie soll man die dann trocken aus der Maschine rausbekommen? Garnicht..

An jeder Maschine ne Zentrifuge ranhängen? Unrentabel..
Selbst im Betrieb zentrifugieren? Wer macht sich freiwillig so ne Arbeit?
Explizit bei Drehmaschinen, die langen Fließspäne die sich zu Knäulen bilden werden in Zentrifugen zu Problemen führen (Unwucht).


Wenn so eine Auflage kommen sollte, fände ich es (für den Metallverarbeitenden Betrieb) am einfachsten wenn es eine genormte dichtschließende Spänemulde mit Deckel gibt, die als Gefahrgutcontainer gilt. Der Schrotthändler selbst sollte zentrifugieren, so würde man die Beste Auslastung der Zentrifuge erreichen.


Aber das macht natürlich dann unsere Spanabfälle billiger, da man ja das zentrifugieren noch rechnen muss. Dadurch müsste man seine eigenenen Produkte teurer kalkulieren. Die Chinesen werden sich freuen, weil die solche Auflagen bestimmt nicht haben und dadurch haben die dann einen weiteren Wettbewerbsvorteil.........


Hallo Cavalli,

ja genau, sofern man keine Trockenbearbeitung macht, sind kommen die Späne immer "irgendwie" nass aus der Maschine und landen schlussendlich in einer Mulde. Und genau bei dem "irgendwie" liegt das Problem. Das LfU oder wir Maschinennutzer können ja nicht wirklich unterscheiden, wie kontaminiert die Späne sind. Bestenfalls ist eine qualitative Aussage möglich, a la wenig, viel, tropfnass ... Deshalb möchte das LfU ja grundsätzlich alle Späne als Sondermüll deklarieren. Deshalb finde ich Deine Idee mit der dichtschließenden Mulde mit Deckel auch sehr gut. Dennoch müsste diese Mulde dann wohl zertifiziert sein und die Transportunternehmen werden wohl mehr für den Transport verlangen.

Es geht dem LfU ja hauptsächlich um den Transport der Späne auf der Straße, deshalb würde eine zentrale Zentrifuge beim Schrotthändler das Problem nicht lösen.

Könnte man versuchen, den KSS-Anteil in den Spänen zu messen und so die Späne zu klassifizieren? Dann wäre die Einführung eines Grenzwertes möglich. Unterhalb des Grenzwertes könnten die Späne dann als Nicht-Gefahrgut eingestuft und wie bisher transportiert werden.
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Beitrag 09.07.2015, 17:11 Uhr
Andy742000
Andy742000
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Beiträge: 3.738

hi

ich sehe garnicht wo ihr hier ein Problem habt.

Hier in der Gegend sind Brikettiermaschinen nicht nur der Renner, sondern schon fast selbst bei Kleinbetrieben Standard.
Vorteile liegen doch klar auf der Hand:
- Verringerung des Volumens, bei gleicher Transportmasse
- Trockene Späne
- Höhere Wiederverkaufserlöse
- Rüchgewinnung von KSS

klar muss auch gesagt werden, es stellt eine Investition dar, es wird Platz und Energie benötigt, und es muss Sortenrein geschehen.

Klar ist auch, dass sich ein 3 Mann Betrieb sich wegen der Stofftrennung ALU, Stahl , Buntmetall nicht 3 solcher Pressen hinstellen können.
Aber was ich hier schon so alles gesehen und miterlebt habe, so groß sind die Kleinsten dieser Maschinen auch nicht mehr, klar ist auch die Presskapazität ist nicht mit der Großer Anlagen zu vergleichen. Aber das sollte der Chef schon wissen, was Monat für Monat über den Schrotthändler entsorgt wird. Und wenn man nicht unbedingt Mischproduzent ist, der jeden Tag alles verarbeitet und Späne nur in Kleinstmengen anfallen, rentiert sich eine solche Anlage meist noch innerhalb der Garantiezeit dieser. Und dann macht man sogar noch Gewinn mit dem Abfall.



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MfG
Andy

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und nun nicht weiter gekommen als bis zur Sinumerik ;-)

PS : Ich hasse R- Parameter ! Aus Rxxx wird unter Beachtung der Mond-Parabel und der "ERDschen" Glockenkurve nach der Division mit PI/8 + Werkhallenhöhe ein neuer sinnvoller Parameter Rxxx

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Beitrag 10.07.2015, 13:13 Uhr
MTobe
MTobe
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Dieses Thema ist im Grunde schon vor einigen Jahren aufgekommen, nachdem wohl bei Kontrollen von Entsorgungsfahrzeugen festgestellt wurde, dass Emulsionen und Öle aus den Transportbehältern austraten. Im Anschluss an diese Vorfälle hatte Anfang 2010 der bei der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) beheimatete Ausschuss für Abfalltechnik (ATA) damit begonnen, die Einstufung von Metallspänen aus KSS-behafteter Zerspanung als gefährliche Abfälle gemäß Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) vorzunehmen und dies auch bundesweit zu fordern. (Das Bundesumweltministerium sollte bei der Überarbeitung des Europäischen Abfallkatalogs dafür sorgen, dass für Abfälle aus der spanabhebenden Metallbearbeitung, die mit Kühlschmierstoffen verunreinigt und daher nach Auffassung des ATA als gefährlich einzustufen sind, neue Abfallschlüssel aufgenommen werden.)

Mitte 2013 hat dann das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) ein Schreiben an die Überwachungsbehörden aufgesetzt, das sich im Rahmen des Vollzugs des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) und der AVV den Forderungen des ATA anschließt. Es ist zu vermuten, dass über diesen Vorstoß erstmals Betriebe in größerer Zahl mit dieser Anforderung konfrontiert wurden. Weitere Informationen hält z. B. die Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz (SAM) bereit, z. B. in ihrem Newsletter SAM Aktuell 6/2010.

Gruß, MTobe


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Beitrag 10.07.2015, 15:24 Uhr
MTobe
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Andy742000 hat ja bereits auf die Möglichkeit des Brikettierens hingewiesen. Dazu noch ein Satz aus dem Schreiben des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) aus dem Jahr 2013 (diese Information hatte ich vorhin glatt übersehen):

„Metallspäne mit Verunreinigungen durch Kühlschmierstoffe, welche nicht bereits durch innerbetriebliche Maßnahmen, wie beispielsweise:
     -  Schleudern,
     -  Auspressen oder Zentrifugieren
entfernt wurden, sind als gefährliche Abfälle zu entsorgen.“

Damit dürften also mit diesen oder vergleichbaren Verfahren behandelte Späne aus einer KSS-behafteten Fertigung nach wie vor als ungefährliche Abfälle zu entsorgen sein.

Gruß, MTobe

Der Beitrag wurde von MTobe bearbeitet: 10.07.2015, 15:32 Uhr


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Beitrag 10.07.2015, 16:51 Uhr
Andy742000
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Prost Freistaatler...

und Freunde der Nacht ! wink.gif
Wo ist den euer Problem. Es gibt eigentlich keins, oder ?

Und wenn doch, dann eröffnet doch als Lohn-Brikettierer eine Firma , besorgst die einen 7.5 Tonner LKW, montierst auf der Ladefläche 3 dieser Brikettierpressen, und fährst von Kleinbetrieb zu Kleinbetrieb, und presst denen das KSS aus den Spänen. Natürlich Sortenrein, deswegen auch die 3 Pressen, Alu, Buntmetall, und FE Werkstoffe. Und schon hast du für den Kunden die Auflagen zum Spänereycling erfüllt! Der muss sich keine eigene Anlage kaufen. Und alle Treffen sich nach Feierabend im Biergarten.

Prösterchen aus Sachsen

Mfg
Andy

PS : Und wenn du Glück hast bekommst du mit der Idee sogar den Bayrischen Umweltpreis wink.gif

Der Beitrag wurde von Andy742000 bearbeitet: 10.07.2015, 16:53 Uhr


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MfG
Andy

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Beitrag 10.07.2015, 18:00 Uhr
MTobe
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Hallo Andy742000,

ich sitze keineswegs in Bayern, sondern gleich nebenan in Hessen ;-))

Das Ganze hat aber natürlich Bundesländer-übergreifende Auswirkungen, wie man schon an meinem obigen Link zu dem Newsletter der Sonderabfall-Management-Gesellschaft Rheinland-Pfalz (SAM) sehen kann. Und es ist natürlich dumm, wenn einige Entsorger/Betriebe durch die Verwendung ungeeigneter (hier: undichter) Transportbehälter eine Situation erzeugen, die sich auf alle Metall verarbeitenden Unternehmen auswirkt und die eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre.

Oder umgekehrt gesprochen: Das müssen nun alle mit ausbaden, auch diejenigen, die sich Gedanken zur Eignung ihrer Behälter gemacht haben und die auf dem Transportweg keine Kühlschmierstoffe verloren haben. Unser Gesetzgeber scheint jedenfalls nicht dabei zu zögern, einmal festgestellte Missstände per Verordnung von oben herab wieder abzustellen ...

Ein findiger Geschäftsmann kann natürlich versuchen, daraus wieder eine eigene Geschäftsidee zu entwickeln.

Schönes Wochenende aus Hessen
MTobe


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Beitrag 10.07.2015, 19:36 Uhr
Andy742000
Andy742000
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Ja ja die Beamten wieder. Aber statt wirklich da anzusetzen wo das Problem wirklich entsteht.... Zerspanungsrückstände nur Tropffrei von Umwelt- o Grundwasser gefährdenden Stoffen transportieren zu dürfen, würde da schon eher was bringen. Entweder der Entsorger pelletiert vor der Abholung selber, und entrichtet nur den billigeren Grundpreis, oder der Verursacher pelletiert selber und bekommt nen höheren Erlös. Und löst sich das Problem mit marktwirtschaftlichen Mitteln selber. Aber wir brauchen ja noch mehr Verordnungen und Bestimmungen

Mfg
Schönes WE

Andy


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