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Kostensenken

Beitrag 10.08.2003, 13:23 Uhr
edelstoff666
edelstoff666
Level 2 = IndustryArena-Facharbeiter
**
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 08.12.2002
Beiträge: 103

Hallo Kollegen,

hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht, wieviel Mio. Euros gespart werden können wenn Konstrukteure und Entwickler näher an der Praxis wären. Wenn z. B. grob gesagt eine Bohrung Ø12 mit Positionstoleranz 0,1 mm angegeben wird obwohl beim Zusammenbau nur eine 10er Schraube reinkommt. Oder wie oft Passungen gefordert werden die nicht sein müssten. Meiner Meinung nach sollte jeder Betrieb seine Konstrukteure pro Jahr 2-4 Wochen in die Fertigung schicken, damit sie sich über Fertigungsprobleme informieren können die durch eine andere Konstruktion wegfallen würden. Umgekehrt ist es auch so das vielleicht viele Sachen in den Köpfen sind aber aus Unwissenheit über Fertigungstechnologien niemals verwendet werden. Ich denke daß eine ganze Menge Kohle gespart werden könnte.

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Beitrag 10.08.2003, 14:16 Uhr
singingSamson
singingSamson
CNC-Arena Ehrenmitglied
*******
Gruppe: Moderator
Mitglied seit: 15.12.2001
Beiträge: 3.650

Hallo,

da geb ich dir teilweise recht, es sind oftmals unsinnig enge toleranzen in Zeichnungren angegeben. Bei uns im Betreib ist es allerdings so, das wir die Zeichnungen von unseren Kunden bekommen, also keine eignen Konstrukteure dran arbeiten. Da wir als "Lohnfertiger" tätig sind müssen wir uns in der Regel schon an die in der Zeichnung geforderten Genauigkeiten halten, auch wenn mir manchmal der gesunde "Werkzeugmacherverstand" sagt, das sei nicht unbedingt wichtig.
Ein anderer Aspekt ist sicher auch, das es einfacher ist, vorher genauer zu arbeiten als nachträglich zu "pfuschen" um die Funktion eines Werkstückes zu erhalten. Sicherlich ist ne 12-er Bohrung für ne 10-er Schraube recht grosszügig, aber wenigstens passt die Schreube durch, auch wenn das Gewinde nicht ganz winklig ist, oder ein eichter Versatz zwischen den beiden zu montierenden Teilen besteht.


--------------------
Allzeit gute Kommunikation wünscht euch

singingSamson
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Beitrag 10.08.2003, 14:19 Uhr
corrado
corrado
Level 5 = IndustryArena-Ingenieur
*****
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 21.04.2003
Beiträge: 636

Hallole,

genau wegen diesem Thema habe ich schon des öfteren Ärger gehabt. Unsere Konstrukteure kommen leider meistens direkt von der Schule und haben demnach oft keine Ahnung, wie Ihre konstruierten Teile überhaupt gefertigt werden. Somit ergeben sich oft Konstruktionen, die entweder nur sehr schwer oder überhaupt nicht hergestellt werden können. Und das alles kostet natürlich nen Haufen Kohle, da man z.B. Freiarbeitungen wegen der komplexen Form oder Toleranzen nicht mehr fräsen kann, sondern erodieren muss.

Da ich im privaten Bereich auch noch tätig bin, kann ich aber manche "Maler" verstehen. Ich muss oft selbst Prototypen entwerfen - jedoch weiß ich dann schon, wie das Teil später gefertigt wird. Und das fliest natürlich mit in das ganze Projekt ein. Wie oft habe ich meine Konstruktionen wieder geändert, um später effektiver das ganze herstellen zu können.

Deshalb sollte man nicht nur motzen, sondern die Leute mal mit in die Werkstatt nehmen, und denen die Probleme direkt an der Maschine zu erklären.

Die beste Möglichkeit, um solche Probleme zu lösen, habe ich bis jetzt nur in einer Firma gesehen. Da werden die Konstrukteure gleichzeitig zum Projektleiter ernannt, die später bei der Fertigung und bei der Montage fest mitarbeiten. So können sie die ganzen Erfahrung auf die nächsten Projekte mit einfliesen lassen. Und wenn ein Konstukteur mal selbst solche Teile herstellen muss, macht er sich automatisch mehr Gedanken darüber......


Tschau,

Corrado
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Beitrag 11.08.2003, 11:41 Uhr
klotzi
klotzi
Level 3 = IndustryArena-Techniker
***
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 26.12.2002
Beiträge: 200

Hallochen,

bei uns ist das ganz einfach gelöst. Unsere Konstrukteure kommen zu 80% aus der
Fertigung und sind Meister, oder Techniker. Ich z.B. hab 15 Jahre als Maschinenbau-
mechaniker gearbeitet, 5 Jahre davon als Programmierer. Zwischendurch meinen
Meister gemacht. Und nun arbeite ich in der Konstruktion und Programmierung.

Gruß Andy

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Beitrag 11.08.2003, 12:06 Uhr
CNC-Master
CNC-Master
Level 7 = IndustryArena-Professor
Gruppensymbol
Gruppe: Administrator
Mitglied seit: 05.11.2001
Beiträge: 2.895

Hallo Jungs,
dieses leidige Problem ist nicht so einfach aus der Welt zu schaffen, jedoch gibt es von vielen CAM-Herstellern zumindest Ansätze, dieses Problem zu minimieren.

In grösseren Unternehmen ist nun mal der Konstrukteur nicht gleichzeitig der Technologe in der Werkstatt und trotz Meetings und ständigem Kontakt zur Fertigung gibt es enorme Hürden.
Ich bin als CAM-Consultant sehr viel in Unternehmen und verspüre immer wieder eine 2-Klassengesellschaft und eine hohe Mauer über die beide Seiten springen müssen!

Wenn der Konstrukteur zum Beipiel Formelemente aus einer Datenbank einpflegt, die gewisse Fertigungsinformationen enthalten, dann kann dies vom CNC-Programmierer einfacher und schneller verarbeitet werden.
Die Lösung heisst FBM ( Feature Based Manufacturing oder Formelemnte basierende Fertigung) gekoppelt mit der sogennaten Knowledge Fusion (KBE-Programmierung), in der Regeln abgelegt werden, die zur Werkzeugauswahl, für das optimale Bohr-Fräsverfahren und für die dazu notwendigen Technologiedaten genutzt werden.

Was sind die Vorteile:

Verbindung von Konstruktion und Fertigung
Ausnutzung der Feature Technologie zur automatisierten Fertigung
Wiederverwendung von Fertigungswissen (KBE)

Was ist der Nutzen:

Standardisierung, dadurch erhöhte Prozesssicherheit
Verkürzung der Programmierzeiten
Optimierung der Bearbeitung

Folgendes möchte ich noch hinzufügen:
Ich bin kein Verkäufer, sondern Mascinenbau-Techniker aus der Praxis, habe mich auf diesem Gebiet spezialisiert und programmiere u.a. diese Tools.

Für weitere Fragen und Anmerkungen zu diesem Thema stehe ich Euch jederzeit zur Verfügung...



Zitat

Knowledge Fusion
Mit Knowledge Fusion wurde das erste Mal eine "Knowledge Based Engineering" (KBE) Lösung vollständig in ein MCAD-System eingebaut. Nicht nur "integriert" oder "lose verknüpft", sondern vollständig eingebaut. Dies bedeutet, dass sich Techniker und Konstrukteure auf das
Erzeugen von Produkten konzentrieren können und nicht vom Übersetzen der Daten zwischen einem KBE-System und einem MCAD-System aufgehalten werden. Techniker können nicht nur die Anforderungen und Regeln spezifizieren, durch die das Erzeugen des Produkts gesteuert wird, sondern es können Konstrukteure auch geometrische Modelländerungen innerhalb des MCAD-Systems vornehmen
-- wie dies normalerweise der Fall ist -- und das Modell bleibt weiterhin mit den Bearbeitungsregeln vollständig konsistent und assoziativ verknüpft. Hauptaufgabe von Knowledge Fusion ist es, eine engere Zusammenarbeit zwischen Technikern und Konstrukteuren zu erreichen.

Mit dem "Knowledge Based Engineering" wird eine Verbindung zwischen dem "Warum und Wie" einer Konstruktion und dem "Was" hergestellt. Hier stehen alle Funktionen für Ausdrücke, Arbeitsblätter und Masseneigenschaften kombiniert mit allen Werkzeugen zur Verfügung, die für das Erstellen von kunden-definierten Regeln und Assistenten benötigt werden.
Vorteile hierbei sind stark verkürzte Konstruktionszeiten, verständliche Modelle und eine Analysestandardisierung. Wenn eine führende KBE-Randbedingungs-/Regel-Engine mit einer leistungsfähigen MCAD-Geometrie-Engine zuverlässig verknüpft wird, ermöglicht Knowledge Fusion eine multidisziplinäre Optimierung und Wahrscheinlichkeitsauswertungen. Dies führt zu wesentlich innovativeren und weiterentwickelten Konstruktionen. Derartige Möglichkeiten können sich auf den Wettbewerb in einer Branche nachhaltig auswirken.

Knowledge Fusion basiert auf Intent!?, einer in der Industrie verbreiteten KBE-Sprache von der Heide Corporation. Viele Techniker verfügen bereits über Erfahrung mit dieser Sprache. Sie werden Knowledge Fusion als leistungsfähige Erweiterung zu ihrem eigenen Fachwissen empfinden. Zusätzlich zur eigentlichen Sprache verfügt Knowledge Fusion über eine komfortabel zu bedienende Benutzeroberfläche, mit der technisches Wissen erfasst und manipuliert werden kann.


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Gruß,
CNC-Master
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