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Vernickeln einer alten Uhrmacherdrehmaschine

Beitrag 26.11.2017, 18:47 Uhr
warso
warso
Level 1 = IndustryArena-Lehrling
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Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 26.11.2017
Beiträge: 3

Hallo,

ich werde mir eine sehr alte Uhrmacherdrehbank zulegen.

Diese ist schwer verschmutzt, zerkratzt und korrodiert. Soll aber angeblich noch funktionieren.
Genau kann das aber nicht sein, so wie die aussieht.
Nun überlege ich diese Maschine auseinander zu nehmen, reinigen , mechanisch aufarbeiten und im Anschluß dann
alle Einzelteile mit ca. 40 Mikrometer aussenstromlos und/oder elektrolytisch zu vernickeln.
Das Galvanisieren krieg ich hin,nur soll die Maschine danach auch noch funktionieren.
Das Problem ist, das ich mit Ausnahme von gefährlichem Halbwissen keinerlei Ahnung vom Drehen habe.

Nun meine Fragen an die Profis hier:

1) Was spricht dagegen eine Drehmaschine komplett zu vernickeln ?
2) Welche Teile sollten besser nicht beschichtet sein ?
3) Worauf muß ich noch bei diesem Projekt achten ?

Im Netz habe ich darüber nichts gefunden und warte deshalb mit Spannung auf gute Tipps und Kommentare.


LG

Warso

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Beitrag 27.11.2017, 06:51 Uhr
Rainer60
Rainer60
Level 4 = IndustryArena-Meister
****
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 15.11.2014
Beiträge: 557

Hoi Warso

Empfehle Dir einen Zerspaner der alten Garde zu bitten, sein Auge auf das Schätzchen zu werfen.
Drehe mal ein paar Runden im jetzigen Zustand, dann wirst Du sehen wie genau sie ist und welche Stellen nicht vernickelt werden sollten.

Ich persönlich würde nie und nimmer vernickeln. Sollte es Abplatzungen geben, bleibst immer hängen - egal mit Fingern oder Lappen.
Zum Anderen meine ich die antike Maschine sollte unbedingt die Originalfarbe erhalten. Wird ohnehin einiges an Arbeit sein alles schön abzukleben und anschliessend die Farbkanten zu trimmen. Mit vernickeln kenne ich mich nicht so aus, aber beim Gedanken daran stellen sich mir die Nackenhaare.

Stell mal ein Bild rein. Ist es eine mit schwebendem Bett?


--------------------
Gruss Rainer

"Es gibt immer eine Lösung - manchmal auch eine Andere"l
Meine Ratschläge sind kostenlos und müssen nicht angenommen werden...
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Beitrag 28.11.2017, 10:55 Uhr
platsch
platsch
Level 4 = IndustryArena-Meister
****
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 01.11.2017
Beiträge: 308

Vom Vernickeln von Grauguß würde ich auch dringend abraten, es sei denn es soll ausschließlich ein Deko-Objekt werden. wink.gif
Bei richtigem Gebrauch hat sich der Guß über die Jahre mit Öl vollgesaugt, sodaß eine Beschichtung sehr schwierig werden dürfte.
Rainer60 hat das schon richtig beschrieben.
Ich würde erstmal den Rost anlösen und vorsichtig entfernen. WD40 oder ein dünnes Hydrauliköl (sauer) sind da recht wirksam. Über Nacht einwirken lassen und anschließend nur abwischen. Eventuell mehrmals wiederholen. Verharzte Krusten mit Waschbenzin "einweichen" und mit einem Spachtel vorsichtig entfernen. "Macken" mit einem feinen "Degussit"-Stein einebnen und Abrieb abwischen.
Alles gut ölen und wieder montieren. -> Führungen einstellen (~10µm Spiel) -> Drehversuche
In der Regel läßt sich an solchen Maschinchen alles Wichtige, wie Lager-Vorspannung und Führungsspiel sehr leicht einstellen.
Falls nötig eingelaufene Führungen nachschaben (lassen).
Lack anschleifen und Fehlstellen spachteln. Alles was blank bleiben soll abkleben und mit Alkydharz-Lack (ölfest) streichen, rollen, oder sprühen.
Lackränder versäubern.
Alle blanken Flächen mit Bettbahn-Öl, Kriechöl oder ähnlichem dünn benetzen.
Bett und offene Führungen vor Gebrauch mit leicht öligem Lappen abreiben. Das entfernt den Staub (wie Schmirgelpaste) und schmiert auch gleich.
Einige Tropfen Bettbahnöl auf die Führungen geben und Support(e) bis zu den Endlagen kurbeln. Spindellager-Öler auffüllen und von Hand einige Umdrehungen ausführen, damit sich ein Ölfilm im Lager aufbauen kann. Wenn Schmiernippel oder "Ölsenken" für die Schwalbenschwänze vorhanden sind, diese mit Bettbahnöl auffüllen.
Fertig zum Drehen.

Viel Spaß mit dem "Schätzchen" smile.gif
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