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Rüstaufwand minimieren

Beitrag 21.04.2017, 19:18 Uhr
3raumwohnung
3raumwohnung
Level 1 = IndustryArena-Lehrling
*
Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 03.06.2005
Beiträge: 8

Hallo zusammen!

Mich würde es interessieren wie Ihr den Rüstaufwand im Bereich Drehen möglichst gering haltet?

Dazu möchte ich den Vergleich mit dem Fräsen bei uns im Betrieb in den Raum werfen (Stückzahlen 1-50Stück):

Programmieren:

Fräsen - ab CAM oder bei einfachen Teilen auch mal an der Maschine
Drehen - meistens an der Maschine, da die Konturen relativ einfach sind
Optimierung - einfaches CAM (Bsp Cimco)

Werkzeug rüsten
Fräsen - Ausmessen Voreinstellgerät, mehr Werkzeugplätze als beim Drehen
Drehen - Toolsetter an der Maschine, wenige Werkzeugplätze
Optimierung - Auf Capto Halter wechseln und auf Voreinstellgerät ausmessen


mehrere Arbeiten gleichzeitig einrichten

Fräsen - Nullpunktsystem
Drehen - Spannzange wechseln
Optimierung - ???, gibt es ein "Nullpunktsystem" für Spannfutter?

Was für Produkte habt ihr im Einsatz welche sich für solche Aufgaben optimal einsetzen lassen?

Danke!
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Beitrag 22.04.2017, 05:56 Uhr
Andy742000
Andy742000
Level 7 = IndustryArena-Professor
*******
Gruppe: Banned
Mitglied seit: 15.09.2012
Beiträge: 3.738

Moin,

Deine Frage ist so nicht ganz so einfach zu beantworten.

Rüstaufwand minimieren heist bei dir ?

Fangen wir mal bei den Spannmitteln an:
Wenn ich kleine Lose oder sehr geringe Stückzahlen zu bearbeiten habe, ist die Wahl der Spannmittel nicht nur vom Rohteil abhängig, sonder auch von den Bearbeitungsaufgaben. Wenn du für jeden Durchmesser oder jedes Profil ( Sechskant / Vierkant ) eine oder mehrere Spannzangen vorrätig halten willst, entsteht hier eine ungeheuere Kapitalbindung, sowie wird ein entsprechender Lagerplatz benötigt. Der je nach Umfang der bevorrateten Spannmittel auch zu Verzögerungen in der Bereitstellung ( Suchen und heran schaffen ) führen wird.
Sinnvoll sind Spannzangen beim Einsatz eines Stangenladers, wenn die Stückzahl dessen Nutzung zulässt.
Unförmige Teile, ob gegossen, geschmiedet oder gesägt von der Stange / Block, lassen sich meist einfacher und sicher in Backenfutter spannen.

Zum Thema Werkzeuge:
Gerade beim Drehen, haben sich inzwischen auch Kettenmagazine für die Werkzeugbereitstellung durchgesetzt und werden auch so verbaut. Hier kann man den Vorteil eines externen WZ Voreinstellgerätes richtig gut dazu nutzen, den Rüstaufwand zu reduzieren. Wenn dann noch die WZ Aufnahmen mit RFID versehen sind, ist der Aufwand an der Maschine also beim Bestücken äusserst gering. Auch Schnellwechselsysteme wie CAPTO haben hier durchaus Ihre Berechtigung. Mann sollte hier aber bei einer kurzen Produktlaufzeit nicht vergessen, dass die Werkzeuge wenn die Maschinenstillstandzeit zum Rüsten gering gehalten werden soll, dass die Bereitstellung der Werkzeuge dann durch zusätzliches Personal bewältigt werden müsste, oder sollte.

Zum Thema Programmerstellung:
Auch das ist wieder von einigen Faktoren abhängig. Wenn die Losgröße sehr gering ist, oder anders gesprochen, die Laufzeit pro Los es nicht zulässt, dass während der Bearbeitung für das Folgeprodukt an der Maschine via WOP programmiert werden kann, sind externe Lösungen hier aus Zeitgründen eindeutig im Vorteil. Ob es sich um CAM oder nur einen externen Programmierplatz handelt ist von der Komplexität der Werkstücke abhängig. Aber auch hier wird ggf zusätzliches Personal benötigt, was Einfluß auf den Endpreis haben wird.

Ziel aller genannten Punkte sollte also immer noch sein, dass sowohl das Rohmaterial, die Werkzeuge, das oder die Programme bereits mit allen Unterlagen an der Maschine bereitstehen, wenn der aktuelle noch laufende Auftrag zum Ende kommt, so dass möglichst schnell mit dem Rüstvorgang begonnen werden kann.

Bei entsprechenden Programmlaufzeiten kann der Werker an der Maschine im Multitask Verfahren auch schon div. andere Aufgaben, wie die Werkzeugvorbereitung, die Programmerstellung und auch die Wahl der geeigneten Spannmittel übernehmen.

Weiterhin spielt auch noch eine Rolle, ob es bei einer kleinen Stückzahl sinnvoller ist die Werkstücke ( wenn möglich ) von der Stange als Sägeteil bereitzustellen, oder ob die Nutzung eines Stangenladers ( auch Kurzstangenlader ) sinnvoll ist. Auch der Umbau und die Einrichtung eines Stangenladers benötigt bei einem Durchmesserwechsel eine gewisse Zeit.

Daher will ich hier auch keine Aussagen machen, die man als zu verallgemeinern Bezeichnen könnte. Es sind bei solchen Aufgaben immer sehr viele Einflußfaktoren zu berücksichtigen. Kann ich das Werkstück über eine Fangschale aus dem Arbeitsraum bringen, oder brauche ich einen Teilegreifer, oder reicht es, wenn die Teile beschädigungsfrei einfach abgestochen und fallen gelassen werden können.

Alles was du extern während der Laufzeit schon vorbereiten kannst, senkt den zeitlichen Aufwand, kann aber auch bedeuten, dass mehr Personen mit der Aufgabe betraut werden müssen. So kann es bei einem Lohnfertiger der 10 -15 Maschinen bei sich zu stehen hat, und jede Maschine nur Klein- und Kleinst-Lose bearbeitet, dass das einzige vorhandene WZ Voreinstellgerät zum Nadelöhr werden, wenn mehrere Mitarbeiter dieses gleichzeitig nutzen wollen.

Du siehst wenn man das Problem von mehreren Seiten betrachtet, kann man keine Aussage machen was für den einen Betrieb besser geeignet ist oder nicht.


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MfG
Andy

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4 BIT NC, Kugelschrittschaltwerk
Numerik 600 + Lochstreifen
und nun nicht weiter gekommen als bis zur Sinumerik ;-)

PS : Ich hasse R- Parameter ! Aus Rxxx wird unter Beachtung der Mond-Parabel und der "ERDschen" Glockenkurve nach der Division mit PI/8 + Werkhallenhöhe ein neuer sinnvoller Parameter Rxxx

Impressum: Wer Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet darf sie behalten, sind kostenlose Beigaben des Autors
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Beitrag 22.04.2017, 09:19 Uhr
inaktiv_17
inaktiv_17
Level 3 = IndustryArena-Techniker
***
Gruppe: Banned
Mitglied seit: 05.02.2017
Beiträge: 179

Mahlzeit,

Zielstellung sollte immer sein, dass mit Beginn des Rüstprozesses schon alle vorbereitende Arbeiten abgeschlossen sein sollten.

Fräsen:
- NPS verwenden, wenn möglich, alternativ Wechselpaletten oä nutzen
- Werkzeuge können hier problemlos durch Voreinstellgeräte vermessen werden, hier ist die Nutzung von CAPTO nicht zwingend erforderlich
- geschickte Magazinbestückung, bedeutet das Werkzeuge möglichst beienander liegen, um bei kurzen Einsatzzeiten und langen / großen Magazinketten nicht die Maschine auf die Bereitstellung des Folgewerkzeugs warten muss
- Automatischer NP Abgleich kann die Rüstzeit auch minimieren, allerdings auch auf Kosten der Programmlaufzeit
- Programmzusammenfassung bei großen Tischflächen ist durchaus sinnvoll, Bedarf aber einer geschickten Optimierung der Werkzeugaufrufe
- Programmieren ist eher von den Werkstücken und den Bearbeitungsaufgaben abhängig, auch hier kann man mit WOP geeignete Programme erstellen. Für größere Losgrößen kann durchaus auch ein G- Programm weit aus effektiver sein, als ein WOP Programm.

Drehen:
Bei Revolvermaschinen, lassen wir immer einen Standardsatz an Werkzeugen in der Maschine, nur Bohrer oder Sonderwerkzeuge werden nach Bedarf eingebaut.

Ansonsten sind schon alle weiteren Punkte , auch bezüglich der Nutzung eines Stangenladers und dessen Effektivität genannt worden.

Schönes WE
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Beitrag 22.04.2017, 19:20 Uhr
Guest_guest_*
Themenstarter

Gast



Das größte Potential um Rüstzeiten zu optimieren liegt in der Vorbreitung!
Auch die richtige Planung hilft. Ähnliche Teile möglichst direkt nacheinander bearbeiten. Damit verringert sich der Rüstaufwand allgemein.
Zeichnung prüfen. Programm extern erstellen. Werkzeuge montieren und Voreinstellen. Spannmittel vorbereiten. Führungselemente und Schubstange für den Stangenlader bereitstellen. Material bereitstellen.
Ist das alles für den Folgeauftrag, vor Ablauf des gerade laufenden Auftrags erledigt, ist die Umrüstung in kürzester Zeit erledigt. wink.gif

Nullpunkt-Spannsysteme kann man auch auf Drehmaschinen einsetzen. Ob das aber im Einzelfall Sinn macht, muß man auch im Einzelfall entscheiden.
Ein Drehfutter oder eine Spannzange mit Innenanschlag ist ja auch schon eine Art "Nullpunktsystem". Oder habe ich die Frage falsch verstanden?
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Beitrag 22.04.2017, 23:59 Uhr
Proton313
Proton313
Level 3 = IndustryArena-Techniker
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Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 05.06.2008
Beiträge: 159

Meiner Erfahrung als Dreher ist durch den Teile ablauft recht viel Zeit zu sparen.
Hatte nie Probleme die eine Stunde Zeichnungen Sortieren wieder raus zu holen.

Standard Werkzeuge hatten wir immer im Revolver. Feste Platze für Bohrer und die meisten andren Werkzeuge.

Krallenbacken mit Anschlagen. Nullpunkt bekannt.

Schnellwechselfutter mit Backensatz die alle auf 0,01 Laufen.
Mann kann auch Problemlos Durchmesser 120mm in Backen für 140mm Spannen.
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Beitrag 24.04.2017, 06:37 Uhr
Anwendungstechniker_BFT
Anwendungstechni...
Level 2 = IndustryArena-Facharbeiter
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Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 28.01.2017
Beiträge: 104

Hallo

Ja es gibt viele kleine Kniffe die es leichter machen , Durchmesser immer möglichst gleich wählen , also nicht von Groß zu klein und wieder zu Groß rüsten . Gerade bei Stangenladern kostet das viel Zeit

Wenn du zb VDI 40 etc hast kannst du dir Passstifte setzten um die Halter zu positionieren , die dann einmal vermessenen Maße auf den Halter gravieren und schon hast du das Vermessen gespart .

Aber wie bereits geschrieben ist die Organisation des Ablaufes eigentlich das wichtigste , meist fehlt jedoch der Platz oder die Firma Spart ! an Aufnahmen , Tischen oder Rüstwagen etc .


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Seit 20 Jahren Anwendungstechniker , wenn man Späne stapeln könnte gäbe es jetzt eine Treppe zum Mond .
https://www.facebook.com/BFT-Burzoni-Deutsc...02662796633409/
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Beitrag 24.04.2017, 07:23 Uhr
HAINBUCH
HAINBUCH
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Mitglied seit: 27.01.2008
Beiträge: 328

Hallo,

hier 2 Anregungen wie Rüstzeiten beim Drehen optimiert werden können
System 1 + Backenmodul
System2

Viel Erfolg

Grüße


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Beitrag 24.04.2017, 18:51 Uhr
3raumwohnung
3raumwohnung
Level 1 = IndustryArena-Lehrling
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Gruppe: Mitglied
Mitglied seit: 03.06.2005
Beiträge: 8

Hallo zusammen!

Danke für euer Feedback!

Ja das ist korrekt, die Zeit liegt in den Details
Viele dieser Vorschläge laufen bei uns schon länger, nur das Schnellwechselfutter von Hainbuch kannte ich noch nicht.

Aber es ist immer interessant zu lesen, wie andere arbeiten, man lernt ja schliesslich nie aus.

Grundgedanke für das erstellen dieses Thread ist eben auch, das die Laufzeiten beim Drehen vielfach kürzer sind und man nicht den Platz hat für Mehrfachaufspannungen wie beim Fräsen.

Und wenn man morgens oder abends Randzeiten hat, wo nicht alle Werker anwesend sind und mehrere Maschinen gleichzeit bestückt werden müssen. Liegt es ja nicht drin, eine Maschine um zu rüsten oder sagen wir mal es ist machbar, aber mit viel Stress verbunden. Beim Fräsen sind dann eben zwei Arbeiten eingerichtet und es kann innert Minuten auf eine andere Arbeit gewechselt werden.


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