
Markus Kogel-Hollacher
Arbeitskreis Lasertechnik
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Forschung
Lasertechnik als Rückgrat für die Industrie
Die Lasertechnik zählt zu den tragenden Säulen der deutschen Photonik. Ihre Wettbewerbsfähigkeit beruht auf der engen Verzahnung von Forschung, Industrie und Anwendern – ein Modell, das sich seit Jahrzehnten bewährt hat. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Arbeitskreis Lasertechnik. Geschäftsführer Dr. Markus Kogel-Hollacher erläutert im Interview, warum die deutsche Lasertechnik international erfolgreich ist, wie Netzwerke Innovationen beschleunigen und welche Bedeutung künstliche Intelligenz (KI) künftig haben wird.
Wie beurteilen Sie die Rolle der Lasertechnik in Deutschland?
Kogel-Hollacher: Die Lasertechnik ist in Deutschland seit Jahren ein industrielles Erfolgsmodell. Ein wesentlicher Grund dafür ist die frühe und kontinuierliche Förderung durch die öffentliche Hand. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Laserherstellern, Zulieferern und Anwendern. Diese Struktur ermöglicht es, neue Ideen frühzeitig auf industrielle Anforderungen auszurichten. Besonders deutlich wird das in der Automobilproduktion. Deutsche Fahrzeughersteller haben die Lasertechnik früh großflächig in der Karosseriefertigung eingesetzt. Viele deutsche Zulieferer zählen international zu den technologischen Vorreitern. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und unterstützt effiziente, ressourcenschonende Produktionsprozesse.
Dr. Markus Kogel-Hollacher (Geschäftsführer des Arbeitskreises Lasertechnik) zählt zu den Leitfiguren in der Laserszene. Der Arbeitskreis Lasertechnik treibt Entwicklungen in der Lasertechnologie voran. Fotos: Fraunhofer ILT
Sie leiten seit 2022 den Arbeitskreis Lasertechnik. Was motiviert Sie zu diesem Ehrenamt?
Kogel-Hollacher: Zum einen verbindet mich eine lange berufliche Geschichte mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT, aus dem der Arbeitskreis Lasertechnik hervorgegangen ist. Zum anderen sehe ich im Arbeitskreis eine wichtige Plattform, um den Austausch zwischen Forschung und Industrie zu intensivieren und junge Talente zu fördern. Ein zentrales Instrument ist dabei der Innovation Award Laser Technology, der alle zwei Jahre im Rahmen des AKL – International Laser Technology Congress vergeben wird. Die wachsende Zahl und Qualität der Bewerbungen zeigt, wie dynamisch sich die Photonik in Europa entwickelt. Der Arbeitskreis Lasertechnik leistet einen Beitrag, diese Innovationskraft sichtbar zu machen und zu vernetzen.
Am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT wird das Laserauftragschweißen (engl. Laser Material Deposition, LMD) seit über 30 Jahren intensiv erforscht und konsequent für unterschiedlichste Anwendungsfelder und Branchen weiterentwickelt.
Welche Rolle spielen dabei Ihr persönliches Netzwerk und Ihre Erfahrung?
Kogel-Hollacher: In meiner Funktion im Arbeitskreis Lasertechnik verstehe ich mich als Bindeglied zwischen dem Fraunhofer ILT, industriellen Anwendern und weiteren Forschungsnetzwerken. Ziel ist es, Forschungsergebnisse schneller in praxisnahe Lösungen zu überführen. Diese Vermittlerrolle ist aus meiner Sicht entscheidend, um die technologische Spitzenposition der Photonik langfristig zu sichern.
Wie hat die Zeit am Fraunhofer ILT Ihre berufliche Laufbahn geprägt
Kogel-Hollacher: Das Fraunhofer ILT war in vielerlei Hinsicht prägend, vor allem durch die dort gelebte interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaften und Ingenieurwesen. Der fachliche Austausch und die Offenheit für neue Ansätze haben meine Denkweise nachhaltig beeinflusst. Als ich 1993/94 am Fraunhofer ILT anfing, war das Gebäude eines der modernsten in Aachen. Jeden Morgen in ein so fortschrittliches Umfeld zu gehen, war etwas Besonderes und hat mich stolz gemacht. Diese Zeit hat meinen beruflichen Werdegang maßgeblich beeinflusst. Aber es geht nicht um meine eigene Karriere. Viele der damals geknüpften Kontakte bestehen bis heute. Darüber hinaus zeigt sich der Einfluss des Fraunhofer ILT auch daran, dass zahlreiche Absolventinnen und Absolventen weltweit Führungspositionen in der Photonikbranche innehaben. Es gibt nur wenige Einrichtungen, die die Entwicklung der Lasertechnik in vergleichbarer Weise geprägt haben.
Beschichtung einer PKW-Bremsscheibe: Am Fraunhofer-Institut für Lasertechnik wird das Laserauftragschweißen seit drei Jahrzehnten intensiv erforscht.
Sie arbeiten seit Ihrem Wechsel in die Industrie Mitte der 1990er Jahre eng mit dem Fraunhofer ILT zusammen?
Kogel-Hollacher: Ja, nahezu durchgehend. Die Kooperation reicht bis in die Anfangsjahre des Instituts zurück und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Heute arbeiten wir gemeinsam unter anderem an Anwendungen mit Ultrakurzpulslasern, am Einsatz von KI in optischen Systemen sowie an neuen Ansätzen in der additiven Fertigung. Diese enge Zusammenarbeit ermöglicht es, technologische Entwicklungen frühzeitig in industrielle Anwendungen zu überführen.
Sie gelten als einer der Pioniere der Sensortechnologie in der Laserszene, insbesondere beim Einsatz der optischen Kohärenztomografie. Was zeichnet diese Sensorik aus?
Kogel-Hollacher: Die optische Kohärenztomografie erlaubt hochpräzise Messungen im Mikrometerbereich und eine In-Situ-Überwachung von Laserprozessen. Das ist insbesondere für die Lasermaterialbearbeitung von großem Nutzen. Der Transfer dieser ursprünglich aus der Medizintechnik stammenden Technologie in industrielle Anwendungen war ein wichtiger Schritt. Gleichzeitig ist die Integration anspruchsvoll: Der Sensor muss sehr exakt positioniert werden, um reproduzierbare und produktive Ergebnisse zu erzielen. Das erfordert entsprechendes Know-how auf Anwenderseite.
Sie reisen regelmäßig nach Asien. Worin unterscheiden sich die Märkte?
Kogel-Hollacher: In Asien, insbesondere in Südkorea, ist die Lasertechnik stark in der Mikroelektronik und in der Unterhaltungselektronik verankert. Dort ist der industrielle Einsatz von Ultrakurzpulslasern bereits weit verbreitet. Viele Anwendungen, die man in Europa noch stärker im Forschungskontext verortet, sind dort längst Bestandteil von Serienprozessen. Moderne Mobilgeräte enthalten heute zahlreiche lasergestützte Fertigungsschritte, häufig mehrere Dutzend pro Produkt. Ein Großteil davon basiert auf Ultrakurzpulslasern mit Wellenlängen von Infrarot bis in den tiefen UV-Bereich.
Welche Bedeutung hat künstliche Intelligenz für die Lasertechnik?
Kogel-Hollacher: KI bietet großes Potenzial, vor allem in der Prozessüberwachung und Qualitätssicherung. Beim Remote-Schweißen lassen sich bereits heute deutliche Verbesserungen erzielen. Gleichzeitig ist der Einsatz mit Herausforderungen verbunden. Für das Training von KI-Modellen werden große Datenmengen benötigt, deren Erhebung in der Schweißtechnik aufwendig ist, da die Qualitätsbewertung häufig zerstörende Prüfungen erfordert. Zudem besteht bei vielen Unternehmen Zurückhaltung bei der Freigabe von Produktionsdaten.
Hybrid-additiv gefertigte BLISK: Mit Laserauftragschweißen können Metallspuren mit Schichtstärken zwischen 0,01 und zwei Millimetern auf nahezu jedem metallischen Grundwerkstoff aufgetragen werden.
Sehen Sie Lösungsansätze für dieses Problem?
Kogel-Hollacher: Ein vielversprechender Ansatz ist die Nutzung künstlich generierter Daten. Durch Simulationen von Schweißprozessen lassen sich reale Versuchsreihen ergänzen oder teilweise ersetzen. Das kann den Aufwand deutlich reduzieren und gleichzeitig die Qualität der KI-Modelle verbessern. Hier sehe ich einen erheblichen Mehrwert für die industrielle Qualitätssicherung.
Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Lasertechnik?
Kogel-Hollacher: KI wird künftig eine zentrale Rolle spielen, insbesondere in Kombination mit intelligenter Sensortechnik. Die Automatisierung lasergestützter Prozesse wird weiter zunehmen. In der Photonikbranche arbeiten wir bereits an einer eigenen KI-Cloud, um Modelle kontinuierlich zu optimieren. In einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren könnten zahlreiche industrielle Prozesse weitgehend autonom ablaufen. Voraussetzung ist jedoch das Zusammenspiel von Sensorik, Datenanalyse und tiefem Prozessverständnis.
Die besten Innovationen der Lasertechnologie Europas
Nach einer intensiven Bewerbungsphase ist es so weit: Die Finalisten des „Innovation Award Lasertechnology 2026“ stehen fest. Aus allen Einreichungen hat die zehnköpfige internationale Jury die herausragenden Innovationen ausgewählt – Pionierleistungen, die die Grenzen der Lasermaterialbearbeitung und der dazu notwendigen Systemtechnik neu definieren.
Der mit 10.000 Euro dotierte »Innovation Award Laser Technology« wird vom Arbeitskreis Lasertechnik e.V. alle zwei Jahre als europäischer Wissenschaftspreis verliehen. Mit dem »Innovation Award Laser Technology« wird ein besonderes Augenmerk auf den Übergang von der anwendungsnahen Wissenschaft in die betriebliche Praxis gerichtet.
Die Preisverleihung findet bei der Festverstanstaltung im Rahmen des »AKL’26 – International Laser Technology Congress« im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt.
Die Finalisten in alphabetischer Reihenfolge:
· 4JET microtech GmbH
· CAILABS
· Coherent LaserSystems GmbH & Co. KG
www.innovation-award-laser.org
Das Interview führte
Nikolaus Fecht
Technik- und Wissenschaftsredakteur
Tel. +49 170 7523951
E-Mail senden
www.lasercongress.org