Nora Feist

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Management

Warum Mitarbeiter
nicht mehr zuhören

Vier Gründe sind entscheidend, warum es in der Mitarbeiterkommunikation schieflaufen kann und wie Vorgesetzte nachhaltig Abhilfe schaffen. Wenn Flurfunk die Kommunikation bestimmt, die Motivation im Team ihren Tiefpunkt erreicht hat und eine gemeinsame Happy-Hour das Letzte wäre, was die Mitarbeiter mit einem erholsamen Freitagabend assoziieren, dann muss dringend gehandelt werden. Fast jeder zweite deutsche Arbeitgeber hat Probleme, qualifizierte und talentierte Mitarbeiter zu finden – das eigene Team zu halten, wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Damit die Talente auch bleiben, bedarf es mehr als hoher Gehälter und schicker Firmenwagen. Inspiration und Vision, Fingerspitzengefühl, Selbstreflexion und authentisches Auftreten verbinden Mitarbeiter nachhaltig emotional mit der eigenen Marke. Zeit, an den entscheidenden Stellschrauben erfolgreicher Führung zu drehen.

Fehlende Empathie

Einen empathischen Führungsstil zu leben, bedeutet, die Persönlichkeit der einzelnen Mitarbeiter zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Das heißt konkret, sich in bestimmten Situationen in den jeweiligen Menschen hineinzudenken und dessen Charaktermerkmale und Persönlichkeit nicht infrage zu stellen.

Fehlt es dem Chef an Empathie, verursacht das Verletzungen und mitunter auch Aggressionen, die eine Zusammenarbeit schier unmöglich machen. Um diesen Blockaden von vornherein entgegenzuwirken, müssen Führungskräfte vor allem eins: Zuhören und Einfühlungsvermögen zeigen.

Nur was „oben" vorgelebt wird, macht auch ganz schnell unter den Kollegen die Runde. So hat sich beispielsweise für Frauen die Gesundheits-App Clue mit den Eigenheiten jedes einzelnen Mitarbeiters beschäftigt und nutzt diese Storys auch gleich fürs eigene Recruiting.

Fehlende Selbstreflexion

Alle sprechen von „Learnings" und wie der Arbeitsalltag immer effizienter wird. Führungskräfte neigen schnell dazu, vorrangig das Entwicklungspotenzial ihres Unternehmens zu betrachten, und verlangen oft von ihren Arbeitnehmern, kontinuierlich an sich zu arbeiten.

Der Blick in den Spiegel, um sich selbst zu reflektieren, fällt oft eher dürftig aus. Für Mitarbeiter birgt das jedoch ein enormes Frustrationspotenzial. Insbesondere, wenn der Arbeitgeber selbst über Jahre hinweg auf der Stelle tritt. Wer aber fortlaufend an seiner Kommunikation arbeitet, sich hinterfragt und seine Selbstwahrnehmung trainiert, wird vor allem bei seinen Kollegen punkten. Dass das nicht mit ein, zwei Führungskräfte-Trainings getan ist, liegt klar auf der Hand.

Kleiner Tipp: Wöchentliche, anonymisierte Mitarbeiterumfragen können einfach und schnell die Stimmung im Team einfangen. Bei Optimierungsbedarf kann sofort eingesprungen werden.

Foto: Annie Spratt/unsplash.com

Fehlende Authentizität

Wer als Chef Komplimente wie "sie brennt für ihre Sache!" oder "er meint, was er sagt!" bekommt, hat offensichtlich Erfolg. Das Geheimrezept, das solche Begeisterung hervorbringt, heißt Authentizität. Authentisch zu sein, bewerten Mitarbeiter durchgängig höher als Fachkompetenz, Einfühlungsvermögen oder Belastbarkeit. Es ist kein Geheimnis, dass echte Menschen und unverfälschte Emotionen bei den Kollegen immer besser ankommen. Eine Führungskraft, die authentisch ist, besitzt emotionale Intelligenz. Sie weiß, wie mit eigenen und unliebsamen Gefühlen umgegangen und was davon nach außen getragen wird. Ein Vorgesetzter sollte es dabei verstehen, in gewisse „Subrollen“ zu wechseln: Mal Kollege, mal Freundin, mal Vater oder Tochter, und dennoch immer Arbeitgeber, ohne zu schauspielern.

Fehlende Geschichten

Scott Harrison durchzechte zehn Jahre lang als Clubpromoter die New Yorker Nächte. Anfangs war das vielleicht noch ganz amüsant, dann eher ernüchternd und führte zu seinem geistigen, emotionalen und moralischen Zusammenbruch.

Ein Neuanfang musste her. So verbrachte er zwei Jahre in Afrika, sah vor Ort die Auswirkungen von verschmutztem Wasser und kehrte mit einer Mission in die Heimat zurück: Mit charity:water sauberes Trinkwasser in benachteiligte Regionen der Welt zu bringen. So viel Vision inspiriert: Das ehemalige Startup hat bereits sieben Millionen Menschen mit sicherem Trinkwasser versorgt.

Ob im Konsumbereich oder im B2B-Segment, für Marketing, Kommunikation oder Employer Branding: Storytelling ist in aller Munde. Doch so wie Harrison im halbstündigen Unternehmensporträt auf Storytelling setzt, ist das Konzept als Leadership-Skill noch weitestgehend unbekannt.

Dabei eignen sich gerade hier Geschichten, um Motivation und Sinn zu stiften, sodass Mitarbeiter wieder für ihren Job brennen. Um mit einer gut erzählten Geschichte auch im eigenen Betrieb das Publikum zu fesseln, braucht es nur ein paar simple Parameter.

Originalität: Was macht das eigene Unternehmen besonders und was hebt es von der Konkurrenz ab? Die Tools des Brand Storytelling helfen, den roten Faden in der Unternehmensgeschichte zu finden. Ob Gründungsstory oder eine großartige Vision: Auch den Mitarbeitern muss davon erzählt werden, was die Marke einzigartig macht.

Kontinuität: Die Kommunikation nach innen und außen muss eins werden, denn die Mitarbeiter werden natürlich nicht nur durch interne Maßnahmen, sondern auch das externe Image beeinflusst. Werden zum Beispiel bestimmte Werte definiert, sollten sich diese durch alle Kanäle, Medien und Plattformen ziehen. Dabei gilt es, eine einzigartige Stimme und eine bestimmte Tonalität zu definieren. Herrscht im Büro eher ein lockerer Ton, kann auch in der Sprache nach außen auf steifes Business-Sprech verzichtet werden.

Humor: Jede gute Geschichte verdient auch einen guten Lacher. Nimmt sich ein Unternehmen nicht allzu ernst, kommt das sehr authentisch beim Publikum an. So erzählen die Gründer des Berliner Social Start-Ups Einhorn in lustigen Videos auf ihre ganz eigene Weise Geschichten aus dem Unternehmen und von den eigens kreierten Werten „fairstainable“, „unicornique“ und „fug: fight and hug“. Humorvolle Anekdoten von Teambuilding-Reisen oder der Weihnachtsfeier finden sich bestimmt in jeder Firma.

Emotionalität: Wer sein Publikum begeistern möchte, muss Emotionen wecken. Eine gute Geschichte wird nicht nur mit Höhepunkten und Erfolgen geschrieben, gerade die Niederlagen und Konflikte machen sie authentisch und verbinden das eigene Team emotional mit dem Unternehmen. Wer als Führungskraft zudem transparente Einblicke in erreichte Meilensteine und Hürden der sich täglich schreibenden Firmengeschichte gibt, kann sich sicher sein, dass ihm wirklich zugehört wird.

Zuhören will gelernt sein: Führungskräfte benötigen heutzutage verschiedenste Leadership-Skills, die fernab von Leistung, Erfolgsdruck und Fachkompetenz liegen. Wer als Chef oder Manager seinen Mitarbeitern zuhört, sich öffnet und zeigt, dass er zusammen mit den Kollegen an einem gemeinsamen Strang zieht, verschafft sich Gehör und sichert sich damit auf lange Sicht Erfolg für das Unternehmen – und wird sicher auch mal auf ein Feierabendbier von den Kollegen eingeladen.

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Nora Feist

Geschäftsführerin und Storytelling-Expertin
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Berliner Agentur für PR und Brand Storytelling

Manja Rehfeld

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