„Wir wollen mannlos fertigen.“ Diesen Satz hört man derzeit häufig in der CNC-Fertigung. Gemeint sind meist mehr Automation, längere Laufzeiten und eine geringere Personalbindung an Maschinen.
Was dabei oft unterschätzt wird: Mannlose Fertigung scheitert nur selten an Maschinen, Robotern oder Software. Sie scheitert an Prozessen, die nie dafür ausgelegt wurden, ohne menschliche Anwesenheit stabil zu funktionieren.
Anwesenheit als stilles Prozessprinzip
Viele Fertigungsprozesse funktionieren heute nur deshalb, weil ständig jemand eingreift.
CAM-Programme werden an der Maschine angepasst, Parameter situativ verändert und Entscheidungen aus Erfahrung getroffen. Einfahrprozesse finden real statt, obwohl Simulationen vorhanden sind.
Solange Menschen verfügbar sind, fällt diese Abhängigkeit kaum auf. Sobald Schichten entkoppelt werden oder Nachtläufe geplant sind, wird genau diese implizite Anwesenheit zum Risiko. Mannlose Fertigung ist kein Ziel. Sie ist ein Stresstest für die gesamte Organisation.
Einzelfertigung und kleine Losgrößen machen strukturelle Schwächen sichtbar
Einzelfertigung und kleine Losgrößen gelten häufig als nicht automatisierbar. In Wahrheit machen sie sichtbar, wo Prozesse nicht eindeutig genug definiert sind.
Hoher Neuteilanteil, unregelmäßige Wiederkehr und schwankende Laufzeiten lassen sich technisch beherrschen. Was fehlt, sind Prozesse, die ohne Interpretation funktionieren und nicht auf implizitem Erfahrungswissen beruhen.
Wenn CAM, Planung und Fertigung nicht auf gemeinsamen Regeln, konsistenten Daten und systematischen Rückmeldungen basieren, wird jede Abweichung zum Risiko. Nicht wegen der Teile, sondern wegen fehlender Prozessklarheit.
Mannlos heißt, Entscheidungen vor die Maschine zu verlagern
Der entscheidende Unterschied zwischen teilautomatisierter und mannloser Fertigung liegt nicht in der Laufzeit, sondern im Zeitpunkt der Entscheidung.
In stabilen Prozessen werden Entscheidungen vor dem realen Maschinenlauf getroffen. Abweichungen sind definiert, Parameter eindeutig festgelegt, Alternativen klar beschrieben. Standardisiert werden dabei nicht Programme, sondern Entscheidungsräume.
Genau hier spielt der digitale Zwilling eine zentrale Rolle.
Mit CHECKitB4 wird der reale Maschinenlauf virtuell vorweggenommen. NC-Programme werden am digitalen Zwilling eingefahren, inklusive Steuerungslogik, Kinematik und realer Maschinendaten. Einfahrprozesse verlagern sich von der Maschine in die virtuelle Welt.

