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CNC fräsen lernen

Beitrag 18.10.2014, 20:43 Uhr
XCNC27
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Beiträge: 5

Hallo,

neu im Forum - und nicht sicher, ob richtig in diesem Forum. Aber dennoch sei mir eine Frage gestattet:

Ich wohne in Berlin und möchte mir eine CNC-Fräse kaufen, um in meinem Beruf diverse kleine Geräte usw. selbst zu bauen (vorrangig Gehäusebau in Aluminium, aber auch Holz-Kunst-Bearbeitung). Das "Problem" ist nicht die Maschine, sondern, wie man das macht. Ich habe Erfahrungen mit Holz- und Metall, aber einfach Fräse anschalten und fräsen... so einfach ist es wohl doch nicht. Daher suche ich eine Gelegenheit in Berlin, das zumindest in Grundzügen zu erlernen auf privater Basis. Kein Studium, keine Schulbank, eher bei jemandem "über die Schulter schauen".

Falls jemand jetzt meint, ich als Laie habe hier nichts zu suchen, kann das möglich sein - und da bitte ich gleich vorweg um Entschuldigung. Aber evt. gibt es jemanden, der mir evt. weiterhelfen kann oder zumindest mir andere Adressen o.ä. für mein Vorhaben mitteilen würde?

Vielen Dank
XCNC27
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Beitrag 18.10.2014, 21:47 Uhr
gekufi
gekufi
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Beiträge: 2.430

Hallo

Erstmal ein Herzliches Willkommen in den Foren der CNC-Arena. Da es dir um Weiterbildung geht, sollte dieser Forenbereich der richtige sein.
ZITAT
Falls jemand jetzt meint, ich als Laie habe hier nichts zu suchen, kann das möglich sein - und da bitte ich gleich vorweg um Entschuldigung.

Im Normalfall ist hier jeder Willkommen, besonders wenn es um den Bereich der CNC-Technik und CNC-Bearbeitungen geht.

ZITAT
aber einfach Fräse anschalten und fräsen... so einfach ist es wohl doch nicht.

Ja, ganz so einfach wird es wirklich nicht werden. Aber so gesehen gehst Du nicht Blauäugig in diesen Bereich.
Man muss wissen, wie man etwas machen will und auch wie man es manuell machen würde, als Grundhilfe in der Bearbeitungsreihenfolge. Man muss die passenden Werkzeuge auswählen und auch die dazugehörigen Schnittdaten (Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Zustellungen) auswählen. Und bei CNC-Maschinen muss man sich auch mit der jeweiligen Steuerung auseinandersetzen.
Am Anfang kann auch der Frustfaktor eine Rolle spielen, aber letztlich wird man mit der Zeit sicherer und bekommt immer mehr Erfahrungen. Was am Anfang viel Zeit kostet wird später in der Arbeit untergehen, da man sich bestimmte Vorgänge einprägt und dann recht schnell "automatisch" abarbeitet.

Ich kann dir zwar nicht direkt bei deinem Vorhaben helfen (wohne wo komplett anders), aber doch einige Worte zur Vorgehensweise. Je nach Maschine und Steuerung gibt es mehrere Wege zum Ziel des fertigen Bauteils. Allerdings noch vereinfacht und in relativer Kurzform.

Der Manuelle Weg:
1.) Zeichnung erstellen (CAD, Zeichenbrett oder einfache Skizze falls ausreichend)
2.) Von Hand die Daten als CNC-Programm (G-Code, Heidenhain-Klartext oder Dialoggeführt) direkt in die Steuerung oder in eine Textdatei (G-Code oder Heidenhain-Klartext) eingeben. Dabei ist der G-Code im Grundaufbau eigentlich immer gleich, nur sind viele Befehle von der genauen Steuerung abhängig. Dies ergibt sich dann aus der gewünschten Maschine und/oder der eingesetzten Steuerung. Ist aber grundsätzlich immer das gleiche, wenn auch in verschiedenen Dialekten.
3.) Werkstück in der Maschine rüsten und den Nullpunkt anfahren. Anschließend gleiches mit den Werkzeugen (je nach Möglichkeiten der Steuerung und Maschine).
4.) Programm laufen lassen, am Anfang evtl. mit reduziertem Vorschub zur Kontrolle.

Der komplette PC-Weg:
1.) Zeichnung oder Bauteil im CAD erstellen.
2.) mittels CAM (eigenes Programm oder im CAD integriert) die passenden Bearbeitungen auswählen und diesen entsprechende Parameter zuweisen. Aus diesen Daten und dem CAD-Datensatz erstellt das CAM ein Grundprogramm, welches anschließend vom PP (Postprozessor, ist eine Software im CAM) in ein Programm "übersetzt" wird, das die jeweilige Steuerung versteht.
3.) Das Programm auf die Steuerung überspielen bzw. in der Steuerung aufrufen.
4.) Werkstück in der Maschine rüsten und den Nullpunkt anfahren. Anschließend gleiches mit den Werkzeugen (je nach Möglichkeiten der Steuerung und Maschine).
5.) Programm laufen lassen, am Anfang evtl. mit reduziertem Vorschub zur Kontrolle.

Die CNC-Programme selbst sind quasi immer gleich aufgebaut und kein Hexenwerk. Es sind meist die immer gleichen Befehle und diese verinnerlicht man sich recht schnell. Und auch wenn man alles über CAD/CAM laufen lässt und manuell kein Programm in die Steuerung eingibt, kann Wissen über den Aufbau und die Wirkung der einzelnen Befehle bei der Fehlersuche hilfreich sein.
Dazu bietet jede Steuerung im dazugehörigen Handbuch Informationen und Hilfe. Und auch hier im Forum und im Internet selbst kann man sehr viel zu diesem Bereich finden.

Ansonsten bei weiteren Fragen einfach diese hier im Forum stellen. Meist findet sich immer jemand, der Helfen oder zumindest Hinweise in die passende Richtung geben kann.

Gruß Gerd

Der Beitrag wurde von gekufi bearbeitet: 18.10.2014, 21:50 Uhr


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Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muss nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.
Voltaire
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Beitrag 18.10.2014, 22:43 Uhr
XCNC27
XCNC27
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Mitglied seit: 18.10.2014
Beiträge: 5

Hallo Gerd,

vielen Dank für Deine freundliche und ausführliche Antwort. Im Wesentlichen sind mir einige Dinge bekannt. Ich habe schon vereinzelt solche Sachen gemacht bzw. machen lassen in Berlin bei der Firma Schaeffer. Das ist dort für Anfänger bzw. Gelegenheitsnutzer wie mich sehr luxuriös. Die bieten auf Ihrer www gleich das Zeichenprogramm und sagen Dir gleich noch, was es kostet. Ganz leicht verständlich. Man hat nichts mit der Technik an sich zu tun. Ist schliesslich ok, aber wenn man hier und da ein Blech fräsen will usw. wird es am Ende auch nicht ganz billig. Sicher billiger als eine eigene Maschine, aber irgendwann rechnet sich auch eine solche.

Es gibt gewisse Reihenfolgen in der Abarbeitung, z.B. welches Loch wird zuerst mit welchem Fräser gefräst usw. Kompliziert stelle ich mir z.B. auch das Gewindeschneiden vor. Und tausend solcher Dinge. Zugegeben: es gibt darüber Literatur zu kaufen bzw. in Bibliotheken, aber ich gestehe, ich tu mich schwer damit. Ich lerne sowas besser, wenn ich es direkt sehe und sofort "einhaken" kann, wenn Fragen entstehen. Learning by doing - wie es so schön heisst.
Manuell will ich gar nicht beginnen, da einerseits evt. die Reproduzierbarkeit entfällt und es ja schon unmöglich wird, manuell einen Kreis zu fräsen. Ich möchte mit Zeichenprogramm bzw. geeignetem Programm, welches diese Dateien erstellt, arbeiten. Aber das kenne ich ähnlich aus einer anderen Ecke, nämlich der Elektronik. Es gibt da auch z.B. einige Schaltplanprogramme, doch am Ende bin ich bei einem 35 EUR-Programm gelandet, weil es sehr intuitiv zu bedienen ist. Jedoch auch weil es für meine Anforderungen ausreicht (ich mache z.B. keine Platinen mit mehreren Layern im Bereich von Nanometern, sondern max. 2 Seiten der Platine im Rastermass 2,54. So ähnlich möchte ich es beim Fräsen halten. Es sollen einzelne Gehäuse entstehen, mit (gravierter) Beschriftung, Löchern für Sub-D-Stecker, runde Löcher und Schalter usw. und auch Gewinde darin. Das ist sicher weit entfernt von den vielen Videos bei YouTube, wo unglaubliche Fräsautomaten in 5-6 Achsen arbeiten und gleich noch eine Batterie Werkzeug automatisch wechseln. Da bin ich begeisterter "Zuschauer" ;-)

Werden denn in den Programmen, von denen Du sprichst, die Abläufe automatisch festgelegt, wie / wann / was gefräst wird und mit welchem Werkzeug? Ich werde keine Maschine haben mit automatischem Werkzeugwechsel. Oder weisst das Programm mich darauf hin, was ich als nächstes am sinnvollsten fräse, oder lege ich das fest, welches Loch z.B. als nächstes kommt? Gewinde werden u.U. sicher mit speziellen Fräsern in mehreren Schritten geschnitten. Das hat nichts mehr mit dem zu tun, was ich mal per Hand gelernt habe. Obwohl das Vorbohren auch hier noch gilt. Aber da gibt es wohl auch schon Werkzeuge, die das in einem einzigen Schritt gleich zusammen erledigen...

Gruß
Andreas




ZITAT(gekufi @ 18.10.2014, 20:47 Uhr) *
Hallo

Erstmal ein Herzliches Willkommen in den Foren der CNC-Arena. Da es dir um Weiterbildung geht, sollte dieser Forenbereich der richtige sein.

Im Normalfall ist hier jeder Willkommen, besonders wenn es um den Bereich der CNC-Technik und CNC-Bearbeitungen geht.


Ja, ganz so einfach wird es wirklich nicht werden. Aber so gesehen gehst Du nicht Blauäugig in diesen Bereich.
Man muss wissen, wie man etwas machen will und auch wie man es manuell machen würde, als Grundhilfe in der Bearbeitungsreihenfolge. Man muss die passenden Werkzeuge auswählen und auch die dazugehörigen Schnittdaten (Schnittgeschwindigkeit, Vorschub, Zustellungen) auswählen. Und bei CNC-Maschinen muss man sich auch mit der jeweiligen Steuerung auseinandersetzen.
Am Anfang kann auch der Frustfaktor eine Rolle spielen, aber letztlich wird man mit der Zeit sicherer und bekommt immer mehr Erfahrungen. Was am Anfang viel Zeit kostet wird später in der Arbeit untergehen, da man sich bestimmte Vorgänge einprägt und dann recht schnell "automatisch" abarbeitet.

Ich kann dir zwar nicht direkt bei deinem Vorhaben helfen (wohne wo komplett anders), aber doch einige Worte zur Vorgehensweise. Je nach Maschine und Steuerung gibt es mehrere Wege zum Ziel des fertigen Bauteils. Allerdings noch vereinfacht und in relativer Kurzform.

Der Manuelle Weg:
1.) Zeichnung erstellen (CAD, Zeichenbrett oder einfache Skizze falls ausreichend)
2.) Von Hand die Daten als CNC-Programm (G-Code, Heidenhain-Klartext oder Dialoggeführt) direkt in die Steuerung oder in eine Textdatei (G-Code oder Heidenhain-Klartext) eingeben. Dabei ist der G-Code im Grundaufbau eigentlich immer gleich, nur sind viele Befehle von der genauen Steuerung abhängig. Dies ergibt sich dann aus der gewünschten Maschine und/oder der eingesetzten Steuerung. Ist aber grundsätzlich immer das gleiche, wenn auch in verschiedenen Dialekten.
3.) Werkstück in der Maschine rüsten und den Nullpunkt anfahren. Anschließend gleiches mit den Werkzeugen (je nach Möglichkeiten der Steuerung und Maschine).
4.) Programm laufen lassen, am Anfang evtl. mit reduziertem Vorschub zur Kontrolle.

Der komplette PC-Weg:
1.) Zeichnung oder Bauteil im CAD erstellen.
2.) mittels CAM (eigenes Programm oder im CAD integriert) die passenden Bearbeitungen auswählen und diesen entsprechende Parameter zuweisen. Aus diesen Daten und dem CAD-Datensatz erstellt das CAM ein Grundprogramm, welches anschließend vom PP (Postprozessor, ist eine Software im CAM) in ein Programm "übersetzt" wird, das die jeweilige Steuerung versteht.
3.) Das Programm auf die Steuerung überspielen bzw. in der Steuerung aufrufen.
4.) Werkstück in der Maschine rüsten und den Nullpunkt anfahren. Anschließend gleiches mit den Werkzeugen (je nach Möglichkeiten der Steuerung und Maschine).
5.) Programm laufen lassen, am Anfang evtl. mit reduziertem Vorschub zur Kontrolle.

Die CNC-Programme selbst sind quasi immer gleich aufgebaut und kein Hexenwerk. Es sind meist die immer gleichen Befehle und diese verinnerlicht man sich recht schnell. Und auch wenn man alles über CAD/CAM laufen lässt und manuell kein Programm in die Steuerung eingibt, kann Wissen über den Aufbau und die Wirkung der einzelnen Befehle bei der Fehlersuche hilfreich sein.
Dazu bietet jede Steuerung im dazugehörigen Handbuch Informationen und Hilfe. Und auch hier im Forum und im Internet selbst kann man sehr viel zu diesem Bereich finden.

Ansonsten bei weiteren Fragen einfach diese hier im Forum stellen. Meist findet sich immer jemand, der Helfen oder zumindest Hinweise in die passende Richtung geben kann.

Gruß Gerd
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Beitrag 18.10.2014, 23:34 Uhr
wolke1
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Beiträge: 469

ZITAT(XCNC27 @ 18.10.2014, 21:43 Uhr) *
Hallo,

neu im Forum - und nicht sicher, ob richtig in diesem Forum. Aber dennoch sei mir eine Frage gestattet:

Ich wohne in Berlin und möchte mir eine CNC-Fräse kaufen, um in meinem Beruf diverse kleine Geräte usw. selbst zu bauen (vorrangig Gehäusebau in Aluminium, aber auch Holz-Kunst-Bearbeitung). Das "Problem" ist nicht die Maschine, sondern, wie man das macht. Ich habe Erfahrungen mit Holz- und Metall, aber einfach Fräse anschalten und fräsen... so einfach ist es wohl doch nicht. Daher suche ich eine Gelegenheit in Berlin, das zumindest in Grundzügen zu erlernen auf privater Basis. Kein Studium, keine Schulbank, eher bei jemandem "über die Schulter schauen".

Falls jemand jetzt meint, ich als Laie habe hier nichts zu suchen, kann das möglich sein - und da bitte ich gleich vorweg um Entschuldigung. Aber evt. gibt es jemanden, der mir evt. weiterhelfen kann oder zumindest mir andere Adressen o.ä. für mein Vorhaben mitteilen würde?

Vielen Dank
XCNC27


Tach und Grüße
Herzlich Willkommen und Vorweg -warum Entschuldigst du Dich?
Du bist schon richtig hier. Das ist hier ein Forum ,wo man sich Austauscht,Rat sucht und sich hilft. Passt schon biggrin.gif .
Lt deinem Profil bist du noch ein Azubi? Oder wie ist das zu verstehen?
Zerspanung -ob Drehen oder Fräsen ist ein richtiger Beruf. Die Lehrlinge haben eine 2 1/2 -3.jährige Ausbildung. So "über die Schulter schauen " ist nicht.
Ich wurde mal nach Schulungslehrgänge schauen. Mach dich doch einfach auf dem Arbeitsamt schlau. Ich war Anfangt der 90ziger Jahre bei AEG zu einem 4.wöchigem CNC-Fräslehrgang und der war echt gut. ist zwar schon 20.Jahre her, aber das gibt es heutzutage garantiert . Oder Google doch einfach nach CNC-Lehrgänge in Berlin.
Das mache zuerst. Und dann den nächsten Schritt.
Ne ,CNC- Fräsmaschine gibt es nicht umsonst. Dein Text hört sich so einfach an. Wenn du dann soweit bist ,nach deinen Lehrgang, wäre vielleicht noch die Option" Fräser" im Ruhestand zu aktivieren. Die haben echt Ehrfahrung ,und Wissen. Auf 400 Euro -Basis?
Facharbeiter sind rar heuzutage.
Frage weiter hier, Antworten bekommst du.
Grüße Wolke1.
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Beitrag 19.10.2014, 10:05 Uhr
gekufi
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Beiträge: 2.430

Hallo

Man kann sich so etwas in einem gewissen Rahmen durchaus schon selbst beibringen. Machen die ganzen Hobbyzerspaner auch nicht anders, wenn die sich entweder einen CNC-Router oder eine ältere gebrauchte CNC-Maschine kaufen oder eine Maschine gar komplett selbst bauen (bis hin zu Mineralgussgestellen). Nur ist dann die Lernkurve eine andere und man ist wirklich auch z.B. auf die Hilfe aus Foren in Internet angewiesen. Und gerade am Anfang wird man mehr "Lehrgeld" für die Werkzeuge oder nicht passenden Werkstücke ausgeben dürfen. Aber machbar ist es durchaus, auch ohne einen CNC-Kurs besuchen zu müssen.
Aber ja, einen umfassenden Stand wie mit einer 2,5- bis 3,5-jährigen Ausbildung wird man so nicht erreichen können. Nur ob man auch alle die dort gelehrten Grundlagen wirklich benötigt steht auf einem anderen Blatt Papier.

@ XCNC27
ZITAT
Kompliziert stelle ich mir z.B. auch das Gewindeschneiden vor.

Im Normalfall haben die meistens Steuerungen dafür einen Zyklus, ist also nur ein einziger Befehlssatz. Dieser arbeitet mit der Drehzahl und der eingegebenen Steigung, um den passenden Vorschub auszurechnen. Schwieriger ist da am Anfang festzulegen, wann welcher Gewindebohrer (oder auch Gewindeformer) sinnvoll ist. Da gibt es verschiedenste Ausführungen in Bezug auf die Schneiden und die verschiedenen Beschichtungen.
Man muss weiterhin beachten, ob man ein Ausgleichsfutter benötigt oder nicht. Letzteres gleicht Ungleichmäßigkeiten zwischen Drehzahl und Vorschub aus und verhindert in solchen Fällen einen Werkzeugbruch. Ob man eines Benötigt, hängt von der Steuerung und von der Maschine ab. Man kann Gewinde aber auch fräsen, für z.B. Alu (und "weiche" NE-Metalle) gibt es Gewindefräser ab M1 (z.B. von Datron).

ZITAT
manuell einen Kreis zu fräsen.

Du würdest Dich wundern, was mit der richtigen Ausrüstung alles manuell möglich ist/war. Ist dann nur noch eine Frage des nötigen Aufwandes. Nur leider gibt es fast keine (aktiven) Fachkräfte mehr, die das wirklich noch gemacht haben und auch die dazugehörige Technik (z.B. eine Deckel FP1 mit allem Zubehör) ist quasi nicht mehr zu bekommen. Aber einfache Kreise gehen mittels Teilapparat eigentlich immer, solange das Werkstück selbst dabei noch auf die Maschine passt.

ZITAT
Jedoch auch weil es für meine Anforderungen ausreicht (ich mache z.B. keine Platinen mit mehreren Layern im Bereich von Nanometern, sondern max. 2 Seiten der Platine im Rastermass 2,54. So ähnlich möchte ich es beim Fräsen halten. Es sollen einzelne Gehäuse entstehen, mit (gravierter) Beschriftung, Löchern für Sub-D-Stecker, runde Löcher und Schalter usw. und auch Gewinde darin.

Du hast also so gesehen überwiegend Plattenarbeiten von flachem Material und die Genauigkeitsanforderungen halten sich in Grenzen. In dem Bereich gibt es eine riesige Auswahl an Maschinen von komplett unbrauchbar (Alugestelle mit Rundführungen aus China) bis hin zu verschiedensten Luxusversionen in verschiedenen Preisklassen angefangen von ca. 3500€ (einfaches aber taugliches Einstiegsmodell) bis hin zu über 117,995.00 (ohne Optionen gerechnet!).
Und bei allen braucht man noch Zubehör wie z.B. Spannmittel und natürlich auch die ganzen Werkzeuge. Im Allgemeinen sagt man, das man für das Drumherum teilweise nochmal den halben Maschinenpreis (bei teuren Maschinen eher wenigen, bei billigen eher mehr!) ansetzen kann, bis man die benötigte Ausrüstung mehr oder weniger komplett zusammen hat. Wobei es auch hier Ausnahmen gibt, mal braucht man wenig, weil immer das gleiche im Standard bearbeitet wird. und manchmal ist die Ausrüstung teurer wie die Maschine selbst. Z.B. kann es sein, dass man noch einen Kompressor für Druckluft benötigt.
Und diese Punkte vergessen immer Viele bei ihrer Rechnung, ob sich einen eigene Maschine rechnet oder nicht.

ZITAT
Gewinde werden u.U. sicher mit speziellen Fräsern in mehreren Schritten geschnitten. Das hat nichts mehr mit dem zu tun, was ich mal per Hand gelernt habe. Obwohl das Vorbohren auch hier noch gilt. Aber da gibt es wohl auch schon Werkzeuge, die das in einem einzigen Schritt gleich zusammen erledigen...

Zuerst, von solchen Kombiwerkzeugen (Bohren und Gewinden in einem) halte ich nicht sehr viel, da diese immer einen gewissen Kompromiss darstellen. Und im Crashfall oder bei Verschleiß dann quasi zwei Werkzeuge Schrott sind.
Ansonsten kommt es auf das Werkzeug und das Material an, ob das Gewinde in einem Durchgang gefertigt wird oder man mehrere Durchgänge benötigt. Beim Gewindebohren und -formen ist es aber immer ein einzelner Durchgang direkt zum Fertiggewinde. Mehrere Durchgänge benötigt man allenfalls beim Gewindefräsen, wenn überhaupt.

ZITAT
Werden denn in den Programmen, von denen Du sprichst, die Abläufe automatisch festgelegt, wie / wann / was gefräst wird und mit welchem Werkzeug? Ich werde keine Maschine haben mit automatischem Werkzeugwechsel. Oder weisst das Programm mich darauf hin, was ich als nächstes am sinnvollsten fräse, oder lege ich das fest, welches Loch z.B. als nächstes kommt?

Denn genauen Ablauf legt der Programmierer fest durch die Auswahl der Bearbeitungsgänge und deren Reihenfolge. Dies wärst dann also Du. Wenn die Maschine keinen automatischen Werkzeugwechsler hat, dann meldet sich im Falle seines nötigen Werkzeugwechsels im Normalfall die Steuerung und verlangt das entsprechend nächste Werkzeug. Man muss dann aber auch das richtige Werkzeug einwechseln, die Steuerung hat da im Normalfall dann keine Kontrollmöglichkeiten. Diese kann dann nur noch die Werkzeuglänge kontrollieren, sofern die Möglichkeit dazu vorhanden ist. Ansonsten darf man jedes Werkzeug auch manuell "auf Block" fahren und den passenden Achswert eingeben. Wenn die Maschinenspindel einen Richtige Aufnahme hat, dann reicht es im Normalfall auch bei einem manuellen Werkzeugwechsel, die Länge des Werkzeuges nur einmal am Anfang in die Werkzeugtabelle einzutragen, damit diese verrechnet werden kann. Kommt aber auch hier wieder auf die jeweilige Steuerung selbst mit an.

Gruß Gerd


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Wer das Konzept der Unendlichkeit verstehen will, muss nur das Ausmaß menschlicher Dummheit betrachten.
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Beitrag 20.10.2014, 09:18 Uhr
Keule0
Keule0
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hallo,

grade für den Hobby CNC-Bereich gibt es da mehrere Foren im Netz. Ich kenne da Leute hier aus Berlin welche da tätig sind und auch sowas machen wie du vor hast. Denn ein gewerblicher Betrieb wird dir auch zum über die Schukter schauen evtl. zu teuer sein. Und außerdem passt das dann eh besser vom Umfeld.

Wenn dir einer was auf seiner rel. modernen industrieellen Fräsmaschine zeigt, und du dann auf der china hobby Fräse loslegen willst, dann könnte das zu Problemen führen ;-) Also am besten mit jemanden lernen der auch solche Fräse hat. Ich hätte da jemanden in Berlin.

Aber am besten mal in diese Hobby CNC Foren gehen.
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Beitrag 04.01.2015, 21:27 Uhr
XCNC27
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Hallo und ein gesundes neues Jahr...

Lange Zeit hab ich hier nicht geschrieben, war aber nicht untätig. Kurze Frage zu Maschinen: Da hier von Billigmodellen eher abgeraten wird... Ich hab mir eine ausgesucht, eine deutsche Maschine, die ich eigentlich für meine Zwecke gut finde, und an der ich auch keine (in meiner Relation!) "Makel" entdecke. Allerdings unter Stichworteingabe finde ich hier im Forum dazu keine Empfehlungen o.ä. Und zwar eine Haase AL640. Was ich bisher über diese Maschinen in Erfahrung bringen konnte, klingt gut. Aber ich bin eben "Hobby" und "Anfänger", der die Details nicht kennt. Gibt es da Eurerseits Infos, die ich bedenken sollte, oder ist diese Maschine ok?

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Beitrag 02.05.2015, 20:49 Uhr
XCNC27
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Beiträge: 5

Hallo Keule0,

der Thread ist zwar schon ein Weilchen her, dennoch bin ich noch "dabei". Ich habe mich in den vergangenen Wochen weiterhin mit dieser Thematik beschäftigt. So habe ich u.a. ein Buch gelesen von Christoph Selig, welches eigentlich Aufklärung schaffen sollte. Vermutlich bin ich da einer von wenigen, der nach dieser Lektüre mehr irritiert ist, als dass etwas geklärt ist. Um mal direkt zu fragen:
Du erwähntest damals, dass Du jemanden in Berlin kennst und hättest... Könnte ich darauf zurückkommen? Wäre es möglich bzw. denkbar, dass ich mal für 1 bis 2 Stunden Deinen Bekannten aufsuchen könnte (gegen Bezahlung natürlich, oder ein Kasten Bier...), um ihm meine vielen Fragen zu stellen, damit ich erstmal die Einstiegsdinge und Grundlagen klären bzw. ordnen kann?

Andreas




ZITAT(Keule0 @ 20.10.2014, 08:18 Uhr) *
hallo,

grade für den Hobby CNC-Bereich gibt es da mehrere Foren im Netz. Ich kenne da Leute hier aus Berlin welche da tätig sind und auch sowas machen wie du vor hast. Denn ein gewerblicher Betrieb wird dir auch zum über die Schukter schauen evtl. zu teuer sein. Und außerdem passt das dann eh besser vom Umfeld.

Wenn dir einer was auf seiner rel. modernen industrieellen Fräsmaschine zeigt, und du dann auf der china hobby Fräse loslegen willst, dann könnte das zu Problemen führen ;-) Also am besten mit jemanden lernen der auch solche Fräse hat. Ich hätte da jemanden in Berlin.

Aber am besten mal in diese Hobby CNC Foren gehen.

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Beitrag 03.05.2015, 04:54 Uhr
thorstengrundei
thorstengrundei
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ZITAT(XCNC27 @ 02.05.2015, 20:49 Uhr) *
Hallo Keule0,

der Thread ist zwar schon ein Weilchen her, dennoch bin ich noch "dabei". Ich habe mich in den vergangenen Wochen weiterhin mit dieser Thematik beschäftigt. So habe ich u.a. ein Buch gelesen von Christoph Selig, welches eigentlich Aufklärung schaffen sollte. Vermutlich bin ich da einer von wenigen, der nach dieser Lektüre mehr irritiert ist, als dass etwas geklärt ist. Um mal direkt zu fragen:
Du erwähntest damals, dass Du jemanden in Berlin kennst und hättest... Könnte ich darauf zurückkommen? Wäre es möglich bzw. denkbar, dass ich mal für 1 bis 2 Stunden Deinen Bekannten aufsuchen könnte (gegen Bezahlung natürlich, oder ein Kasten Bier...), um ihm meine vielen Fragen zu stellen, damit ich erstmal die Einstiegsdinge und Grundlagen klären bzw. ordnen kann?

Andreas


Hallo,
ich hatte damals mit einem "Kaltstart" angefangen. Maschine war da (damals eine Traub), und die musste programmiert werden.
Drehen, konventionell wusste ich so ungefähr, und hab dann einfach angefangen. Das ist nun schon einige Jahre her.
Ich hatte mir das alles durch ausprobieren, und befragen von Werkzeughändlern / Hersteller erarbeitet. (Damals gab es kein Internet)
Heute: Youtube hilft, auch die Seiten der Werkzeughersteller.
Nimm von den angegebenen Schnittgeschwindigkeiten 75% als Startwert und versuche, wenn es die Spannung hergibt, mit den Vorschubwerten zu fahren.

Wenn Du ein CAM System suchst im Fräsen, kann ich Dir, falls Du irgendwo Solidworks oder Inventor rumliegen hast, HSMWorks empfehlen.
Das gibt es kostenlos in der 2.5D Version.
Damit mache ich meine Fraesbearbeitungen für unser Bearbeitungszentrum. Das geht ganz gut, wenn man sich in die Cam
Software eingearbeitet hat. Schön ist, die Simulation, und als Editor das CIMCO Programm, weil es die Werkzeugwege graphisch anzeigen kann.
Es sind auch viele Postprozessoren dabei, so daß viele CNC Codes erzeugt werden koennen.

Das ganze ist keine Hexerei.

Und die praktische Erfahrung wird dich dann weiterbringen.

Gruss
Thorsten

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